Alles Glück dieser Erde…

…liegt auf dem Rücken der Pferde. Doch was hat das mit mir zu tun? Eine Wanderreitführerin, die ich als DWV-Wanderführerin® ausgebildet habe, gab mir die Idee für diesen Beitrag.

„Wanderreitführer brauchen genauso umfangreiches Wissen über Orientierung, Recht und andere Themen wie klassische Wanderführer“, berichtet Vera Lohrmann. Obwohl sie als erfolgreiche Orientierungsreiterin hervorragende Kenntnisse im Umgang mit Karte und Kompass besitzt, entschied sich die Wanderreitführerin aus Niedersachsen für eine Ausbildung zur DWV-Wanderführerin®.

„Diese Ausbildung war wirklich hochwertig“, lobt Vera Lohmann den Ende 2020 von mir verantwortlich durchgeführten Lehrgang in Buckow (Märkische Schweiz, Bundesland Brandenburg). Neben ihr namen sechs weitere Natur- und Landschaftsführer/innen an der einwöchigen Qualifikation teil.

Wandern mit Pferden? Ja!

Wer im Brockhaus den Begriff Wandern nachschlägt, liest gleich im ersten Satz: Es handelt sich um vielfältige Formen der aktiven Erholung – etwa auf dem Pferd. Auf dem Pferd? Ja! Doch nicht jeder Ausritt ist eine Wanderung.

Vom Wanderreiten spricht man bei mehrtägigen Wanderungen auf dem Pferd, wobei Naturerlebnis, besseres Kennenlernen der Landschaft sowie die langsame, ursprüngliche und umweltfreundliche Art des Reisens im Vordergrund stehen.

Artgerecht für Mensch und Tier

Selbstverständlich geht es beim Wanderreiten auch darum, mit den Tieren vertrauter zu werden, für ihre gesunde Bewegung und ihr Wohlergehen zu sorgen – denn davon hängt es in entscheidender Weise ab, ob eine Reitwanderung gelingt.

„Wanderreiten setzt ein ausgebildetes, gehorsames und verkehrssicheres Pferd voraus“, erklärt die Expertin Vera Lohrmann. „Als Wanderreitpferde eignen sich naturbelassene Reitpferderassen, Kleinpferde und Araber, aber auch Warmblüter und sogar Maultiere“, weiß Vera Lohrmann, die eine Bio-Landwirtschaft mit Pferdezuchtbetrieb in Niedersachsen besitzt. „Neben der mentalen Eignung kommt es auf die ausreichende Tragfähigkeit des Rückens, ein stabiles Fundament und gesunde Beine an.“

Erlebnisurlaub statt Hochleistungssport

Wie Wanderer in Wandervereinen, so sind auch Wanderreiter gern gemeinsam unterwegs. Die meisten Wanderritte sind Wochenendtouren oder Kurzurlaube in kleinen Gruppen von zwei bis sieben Reitern. Die Pferde gehen zumeist im Schritt und schaffen im Schnitt etwa fünf bis sechs Kilometer pro Stunde. Regelmäßig werden die Tiere geführt, um sowohl das Pferd als auch die Reiter zu entlasten. So kommt an einem Wanderreittag nur selten mehr als 30 Kilometer Wegstrecke bei einer Gehzeit von höchstens acht Stunden zustande.

Übernachtet wird herkömmlich unter freiem Himmel, beim Bauern oder auf Pferdehöfen, denn gute Unterstell- und Versorgungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter sind wichtig. Das Gepäck wird entweder auf dem Reitpferd in Satteltaschen oder auf einem Packpferd transportiert. Es gibt aber auch „Wanderreiten ohne Gepäck“.

Wanderreitführer: berittene Wanderführer

Wer an einem Wanderritt teilnehmen will, muss ein Pferd sicher im Straßenverkehr führen können. Auch das Reiten im Gelände muss beherrscht werden. „Die meisten Wanderreiter haben das autodidaktisch erlernt“, erklärt Vera Lohrmann. Es gibt jedoch auch zahlreiche Kursangebote von Reitschulen und beispielsweise Prüfungen für Geländereiter.

Erfahrene Wanderreiter, die Touren für Gruppen planen und leiten wollen, können sich wie Vera Lohrmann als Wanderreitführer nach Regeln der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ausbilden lassen. Wichtige Voraussetzungen sind u. a. die Mitgliedschaft in einem Pferdesportverein, die zuvor erworbene Qualifikation Berittführer sowie der Besitz des Wanderreitabzeichens Stufe 2. Die Ausbildung Wanderreitführer (FN) umfasst 45 Lehreinheiten und schließt mit einer Prüfung ab.

// Sven Hähle